Projekt Beschreibung

// tisch
Eva Karoline Merz, Dan Schäfer, Jasper Scheidmann

konzepttext

Stadtentwicklung muss ein demokratisch Projekt sein! Darum wollen wir in der Chemnitzer Innenstadt einen Ort schaffen, der von allen Chemnitzer:innen gemeinsam gestaltet wird. Am //tisch soll zum Auspro- bieren, zum Diskutieren und zum Zusammenkommen angeregt werden. Wie kann ein Raum gemeinschaftlich und auf experimentelle Weise gestaltet werden, in dem er auf die Ansprüche der Menschen reagiert, flexibel bleibt und bewusst mit dem Vorhandenen umgeht? Welchen Stimmen müssen wir in diesem Prozess besondere Aufmerksamkeit schenken? Und wie können wir so neue Impulse für die Chemnitzer Stadtentwicklung setzen? Diese Fragen haben uns in unserem Entwurf begleitet. Wir wollen zeigen, dass Innenstädte mehr bieten können als Shopping und Events.

Im 2024 erstellten Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) gibt sich Chemnitz das Motto „Unverken- nbar Chemnitz“. Unter dieser Präambel wird das Ziel gesetzt, „Chemnitz als Möglichkeitsraum, Transforma- tionsort und [das] Entfaltungspotenzial nach innen und außen sichtbarer [zu] machen [sowie] Besonderhe- iten [zu] identifizieren“ (Stadt Chemnitz, S. 55). Mit der Zukunftsaufgabe „Mein Chemnitz, unser Zentrum. Gemeinsam die Mitte zum Zentrum machen“ soll die Innenstadt durch kollaborative Prozesse diverser ge- staltet werden. Dafür braucht es Experimentierräume und Projekte zur Förderung neuer, nachhaltiger und gemeinwohlorientierter Nutzungskonzepte (ebd., S. 67). Um eine langfristig ausgelegte, qualitative Weiter- entwicklung des Areals hinter der Parteifalte anzustreben, die die Bedürfnisse der Chemnitzer Bürger*in- nen miteinbezieht und die anliegenden Akteur*innen involviert, braucht es einen fundierten, partizipativen und experimentellen Prozess.

Viele Menschen und Institutionen setzen sich in Chemnitz bereits für eine gemeinwohlorientierte Stadt ein. Ihr Engagement und Wissen wollen wir am //tisch bündeln und stärken. Insbesondere jenen Menschen, die oft überhört werden, wollen wir eine starke Stimme geben. Jugendliche, Kinder, Menschen mit Migrations- geschichte und subkulturelle Einrichtungen sollen einen festen Platz am //tisch bekommen. Denn im Vergle- ich zu anderen Stadtzentren wohnen in Chemnitz viele junge und migrantisierte Menschen in der Innenstadt. Um eine etablierte Stimme in Chemnitz zu sein, sind außerdem regelmäßiger Austausch und Kooperation mit öffentlichen Institutionen und allen benachbarten Akteur:innen unabdingbar.

In der Umgebung des //tisches sind zumeist strengere Nutzungsszenarien vorgegeben. Konsum steht oft im Mittelpunkt – materiell oder auch immateriell, aber oft mit Kosten verbunden. Am //tisch wollen wir dem entgegentreten und durch Experimente und kostenfreie Angebote für möglichst alle Chemnitzer*innen zugänglich sein. Alle sollen die Erfahrung machen können, an der Gestaltung der Stadt mitwirken zu kön- nen. Hier sollen Ideen unmittelbar und niedrigschwellig umgesetzt werden können.

Damit der //tisch als Raum auf unterschiedliche Ansprüche reagieren kann, muss er flexibel sein. Darum wollen wir ihn nicht mit einem Mal umgestalten, sondern nach und nach einen Raum entwickeln, der be- hutsam mit dem Bestand umgeht und anpassbar ist. In den vier Prozessphasen entwickeln, sanieren, aktiv- ieren und etablieren wollen wir sozialräumliche und räumliche Strukturen aufbauen und verankern.

Für die iterative Gestaltung des //tischs in diesen Prozessschritten, die eine ständige Evaluation und Anpassungen ermöglichen, haben wir eine Toolbox mit Objekten und Maßnahmen entwickelt. Die Tools haben dabei zum Teil einen möglichst niedrigschwelligen Charakter, während andere bereits auf permanentere Umgestaltungen abzielen. In der Toolbox sind sie zusätzlich in drei Kategorien gegliedert: Initiierende Maßnahmen aktivieren den Ort durch das Erhöhen der Aufenthaltsqualität und legen das Fundament für sozialräumliche Strukturen. Zonierende Maßnahmen erschließen ihn und stellen eine Kleinräumigkeit her. Charakterisierende Tool wirken durch ihren Wiedererkennungswert imagestiftend für den //tisch.

Stadt Chemnitz (2024): Integriertes Stadtentwicklungskonzept Chemnitz 2035. Unverkennbar Chemnitz.

eva karoline merz // dan schafer // jasper scheidmann .. professur landschaftsarchitektur // sommersemester 2025

Teilareale

basteltisch

Am Basteltisch ist Platz für unterschiedlichste Nutzungsszenarien. Er lädt dazu ein, neue Ideen spielerisch zu testen und den Raum gemeinsam immer wieder neu zu gestalten. Was brauchen wir in Chemnitz und was wollen wir ausprobieren? Hier ist zum Beispiel Raum für ein Musikfestival, ein Chemnitzer Olympia oder einen neuen Stadtgarten.

.. kuchentisch

Am Küchentisch kommen Chemnitzer:innen zusammen, um sich auszutauschen, gemeinsame Anliegen zu dis- kutieren und aktiv an Chemnitz’ Zukunft mitzuwirken. Er ist ein zentraler Ort, der zivilgesellschaftliches Engagement fördert, Vernetzung stärkt und den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft lebendig hält. Im Chemnitzer Zentrum leben im Vergleich zum Rest der Stadt besonders viele junge Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte. Am Küchentisch soll ihnen daher ein fester Platz gegeben werden.

picknickdecke

Teilversiegelte Flächen auf dem ehemaligen Parkplatz bieten Potenzial für erste Entsiegelungs- und Bep- flanzungsmaßnahmen, sodass die Picknickdecke zum grünen Refugium wird. Sie lädt dazu ein, sich einen Moment vom Trubel zu erholen. Hier kann sich gesonnt, gelesen oder gespielt werden.

werkbank:

Die Werkbank ist ein Ot des gemeinsamen Gestaltens und Anlaufstelle für Anliegen der Chemnitzer:innen. Hier werden Ideen in die Tat umgesetzt und auf dem // Tisch ausgebreitet. Sie bietet Raum für aktive Par- tizipation und ermutigt alle, sich mit eigenen Beiträgen einzubringen. Ob es das eigene Bauprojekt oder die Teilnahme an einem Workshop ist.

Quelle
Stadt Chemnitz (2024): Integriertes Stadtentwicklungskonzept Chemnitz 2035. Unverkennbar Chemnitz.

eva karoline merz // dan schafer // jasper scheidmann .. professur landschaftsarchitektur // sommersemester 2025