Projekt Beschreibung
DIE ARENA ALS IMPULS FÜR STADT UND BEWE- GUNG
Mit der neuen Arena entsteht ein lebendiges, offenes System im Zentrum von Chemnitz – ein Ort zwischen Alltag und Ausnahme, zwischen Stadt und Spiel. Sie ist Bühne, Bewegungsraum und Impulsgeber in ei- nem. Gemeinsam mit dem vorgelagerten Sportpark verankert sich die Arena in ihrer Umgebung. Es ent- steht ein Ort, der nicht nur Veranstaltungen beher- bergt, sondern Verbindungen schafft – zwischen In- nenstadt und Brühlviertel, zwischen dem Stadthal- lenpark und der Universitätsbibliothek, zwischen Ge- nerationen, Interessen, Bewegungsformen.
STÄDTEBAULICHES KONZEPT – DIE STRAßE DER NATIONEN ALS KETTE LEBENDIGER RÄUME
Im Zentrum unseres Entwurfs steht die Straße der Nationen – eine städtische Hauptachse mit Ge- schichte und Potenzial. In der DDR-Zeit war sie Fla- niermeile, städtebauliche Geste, urbane Linie. Heute verstehen wir sie als das, was sie sein kann: ein be- wegter Raum, der die Innenstadt nach Norden ver- längert und dabei durch eine Kette präziser Frei- räume strukturiert wird.
Vom Marktplatz mit Rathaus, über den Stadthallen- park mit der Stadthalle, den Theaterplatz mit der Oper bis hin zum Schillerpark spannt sich eine Ab- folge bewusst gesetzter Stadträume, jeweils ver- knüpft mit charakteristischen Nutzungen. Unser Ent- wurf schreibt diese „Perlenkette“ der Stadt fort – mit der Arena als neuem Impulsort und Gelenk.
Der Straßenraum wird dabei zur Stadtfläche: Die Straße der Nationen wird auf ein Minimum an Auto- verkehr reduziert, die Erdgeschosszonen aktiviert, Beläge gestaltet. So wird sie nicht nur Weg, sondern Aufenthaltsort, Bewegungsraum und Fanmeile – eine Achse für alle, die Chemnitz in Bewegung bringt.
Im Norden der Arena, hinter der Oper, schließen zwei Neubauten das Wohnquartier. Die versetzt ge- plante Theaterverwaltung mit Café und Probebühne schließt städtebaulich die Blockkante und bildet mit einem gegenüberliegenden Wohngebäude ein En- semble, das Sportler:innen und Künstler:innen Wohnraum und Präsenz in der Stadtmitte bietet.
MÖBILITÄT – SANFT ERSCHLOSSEN, STARK VER- NETZT
Unser Mobilitätskonzept knüpft an den bestehenden Omnibusbahnhof an und macht ihn wieder zum rele- vanten Ankunftsort für die Innenstadt. Gäste kom- men per Fernbus, Bahn oder Fahrrad – entlang einer klaren Achse über die Straße der Nationen zur Arena.
Eine neue Bahnhaltestelle wird unmittelbar am Sportpark verortet und bindet auch das Chemnitzer Modell an. Etwa 1.000 Fahrradstellplätze, Fanbus- Parkflächen und 650 unterirdische Pkw-Stell-
plätze ergänzen das Mobilitätsangebot. Die Fanbusse halten an der Mühlenstraße oder am ZOB – die An- kunft wird zur Choreografie, der Weg zum Teil des Erlebnisses.
Die Arena bleibt dabei autoarm, durchlässig und stadtraumorientiert – ein Mobilitätssystem, das Alltag und Event gleichermaßen bedient.
DIE ARENA – EIN RAUM FÜR ALLTAG UND AUS- NAHME
Die Arena ist als vertikal gestapeltes Nutzungssys- tem organisiert. Sie lebt in verschiedenen Zeitzonen:
- ca. 2 Mal pro Woche Eventbetrieb für bis zu 8.500 Gäste
- Tägliche Nutzung von 10–21 Uhr mit offe- nem Foyer und Gastronomie
- 24/7-Sportdeck mit Basketball, Streetball, Laufbahn, Fitness – öffentlich zugänglich
So entsteht eine Arena, die nicht nur für den Ausnah- mezustand gebaut ist, sondern für den Alltag in der Stadt.
Das Erdgeschoss bildet die Schwelle zum Platz – oder vielmehr: seine Fortsetzung. Großzügige Öff- nungen führen direkt ins Foyer. Es ist hell, offen, kein Durchgang, sondern ein Raum zum Ankommen. Hier trifft man sich, auch ohne Veranstaltung.Ein Café mit Lounge bietet Raum zum Verweilen, da- neben liegt der Sportgeräteverleih – wer spontan eine Runde Basketball spielen möchte oder ein Fris- bee braucht, wird hier fündig. Das Erdgeschoss ist
kein Vorraum zur Arena – es ist Teil ihrer Öffentlich- keit.
Über die einladende Außenrampe oder die Erschlie- ßungskerne erreicht man die erste Ebene. Hier liegt das Sportdeck: eine Kombination aus frei bespielba- ren Flächen, Streetball, Calisthenics, Schach, Pausen. Daneben: eine Sportbar mit Terrasse – informell, of- fen, mit Blick über das Geschehen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Multifunktionsraum, nutzbar für Workshops, Kurse, Turniere. Ein typischer Som- merabend: Streetball-Turnier, Yogakurs im Sonnen- untergang, Musik aus der Bar. Bewegung wird hier zum Teil des Stadtraums.
Darunter liegt – was funktionieren muss.
Die unterirdischen Ebenen nehmen die notwendige Infrastruktur auf: das Spielfeld liegt etwa 5 Meter ein- gegraben, verbunden mit den Umkleiden, Technikflä- chen und Sicherheitszonen. Die Anlieferung und rund 500 Pkw-Stellplätze befinden sich im Unterge- schoss – unsichtbar, aber wirksam integriert.
DER SPORTPARK – LANDSCHAFT FÜR BEWEGUNG
Der Sportpark ist mehr als Vorplatz. Er nutzt die vor- handene Topografie, lädt ein zum Spazieren, Pausie- ren, Trainieren. Wege mäandrieren durch Wiesen, Streetballplätze, Tischtennisplatten, Spielwiesen und Aufenthaltsinseln.
Er verbindet die Arena mit dem angrenzenden Thea- terneubau samt Café und Außenbühne sowie
dem HeckART, als bestehenden Kulturstandort.
Der Park ist durchlässig, informell, interessant – eine Landschaft der Bewegung, die dem Quartier neue Möglichkeiten und der Stadt neue Bilder schenkt.
BESTAND NUTZEN – STADT WEITERBAUEN
Der Entwurf arbeitet mit dem, was da ist – wertschät- zend, aber nicht unkritisch.
Im Fokus steht die Parteifalte – ein starker Baukör- per, der bislang eher trennt als verbindet. In unse- rem Konzept wird gerade das Erdgeschoss neu akti- viert: Fahrradwerkstatt, Sportspäti, Fanshop, Vereins- räume – niedrigschwellige Orte, die Sport und Stadt- teil zusammenbringen.
Am Nachmittag wird hier noch an einem Fahrrad ge- schraubt, am Abend stehen Jugendliche vor dem Späti, holen sich ein Getränk und laufen rüber auf den Platz zum Streetball. Der Raum ist offen, zugäng- lich, durchlässig – ein Treffpunkt, kein Schaufenster.
Weitere Umbauten betreffen das Gebäude Straße der Nationen 23, das rückgebaut wird, um Raum für einen offenen Freiraum zur Straße hin zu schaffen. Die Probebühne und Theaterverwaltung werden ver- setzt, sodass im Norden des Areals ein neues Wohn- quartier entsteht – mit Blockstruktur, Außencafé, und Wohnraum für Sportler:innen und Kulturschaf- fende.
Der Bestand wird nicht bloß integriert – er wird neu bespielt, neu gelesen, neu belebt.
NACHHALTIGKEIT UND MATERIALITÄT – EIN UR- BANES KREISLAUFSYSTEM
Ein massiver Betonsockel aus recyceltem R-Beton verankert das Gebäude fest im urbanen Raum. Groß- zügige Einschnitte schaffen fließende Übergänge zwi- schen Stadt und Innenraum. Darüber erhebt sich ein leichter, transluzenter Baukörper, dessen ablesbare Rundform die Funktion als Arena subtil in die Silhou- ette einzeichnet. Eine umlaufende Glasfuge erlaubt Einblicke in das Innere und öffnet den Bau auch im oberen Bereich zur Stadt. Den oberen Abschluss bil- det eine Hülle aus recyceltem Gussglas, die zwischen stiller Präsenz und lebendiger Leuchtkraft wechselt: tagsüber ruhige Oberfläche, nachts leuchtendes Sig- nal. Das Dach ist als Retentionsfläche mit extensiver Begrünung und PV-Modulen ausgebildet. Darunter: ein Wasserspeicher zur Eigenbewässerung. Der Sportpark ergänzt das System mit Mulden, Rigolen und klimaangepasster Bepflanzung.
Die Arena funktioniert im Wasser-, Energie- und Raumhaushalt als urbanes Kreislaufsystem – resili- ent, sichtbar, zukunftsfähig.
FAZIT – DIE SPORTPERLE FÜR ALLE, IMMER
Die Arena ist kein Solitär – sie ist Teil eines größeren Ganzen. Ein Ort, der Stadt vernetzt, Räume aktiviert, Atmosphäre schafft. Sie ist Stadtadresse, Bewe- gungsraum, Bühne und Treffpunkt – im Alltag wie im Ausnahmezustand.
Was früher nur Event war, wird jetzt Teil der Stadt. Offen, durchlässig, lebendig.
Die Sportperle – für alle, immer.


