Projekt Beschreibung
Chemnitz – zwischenzeitlich Karl-Marx-Stadt – wurde zum Experimentierfeld sozialistischer Stadtplanung. Breite Magistralen, Plattenbauten und die klare Trennung von Arbeiten, Wohnen und Verkehr bestimmten das Stadtbild.
Die Brückenstraße ist ein markantes Beispiel dafür. Ursprünglich ein wichtiger historischer Straßenzug, wurde sie im Laufe der Jahrzehnte zunehmend dem Leitbild der autogerechten Stadt untergeordnet. Sie entwickelte sich zu einer funktionalen Verkehrsachse, die vor allem dem motorisierten Individualverkehr dient – oft auf Kosten urbaner Qualitäten und menschlicher Aufenthaltsqualität. Sie war früher eine Verbindung zwischen der Altstadt und dem nördlich angrenzenden Gebiet doch heute hat Sie eher die wirkung einer Trennung. Dieser Verlust an urbaner Qualität zeigt sich deutlich am Übergang zwischen der Altstadt und dem Bereich hinter der Brückenstraße – insbesondere am Opernplatz und Schillerplatz. Was einst als öffentlicher Raum mit kulturellem Gewicht gedacht war, wirkt heute fragmentiert, überdimensioniert und vielfach unverbunden. Die breiten Fahrbahnen und großzügigen Verkehrsflächen erzeugen ein Gefühl von Distanz und Entfremdung. Stadt wird hier nicht als Raum der Begegnung wahrgenommen, sondern als Funktionseinheit zur Durchleitung von Verkehr. Es fehlt an Maßstäblichkeit, an Aufenthaltsqualität – und letztlich auch an einem gestalterischen Narrativ, das diesen Stadtraum mit seiner Umgebung in Beziehung setzt.
Gerade hier setzt mein Entwurf an, im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs stellt er den Versuch dar, Chemnitz nicht nur räumlich, sondern auch funktional neu zu denken.
Dabei spielt die Brückenstraße eine zentrale Rolle: Ein Teil dieser heute stark verkehrsdominierten Achse wird in meinem Konzept bewusst zurückgebaut und für die Menschen zurückgewonnen – durch die Umwandlung in einen innerstädtischen Park entsteht ein neuer Ort der Begegnung, der Erholung und des kulturellen Austauschs.Der Bereich darunter soll als Tiefgarage dienen damit der Verkehr rund um die neu entstehende Halle ebenfalls nicht mehr das Stadtbild prägt. Die Aufgänge davon sollen Skulptural verkleidet werden um das Thema Kunst im öffentlichen Raum zu stärken.
Auf dem Grundstück soll eine kleine „Altstadtbebauung“ der Weitläufigkeit der großen Plätze entgegenwirken. Schmale Gassen sollen einladend wirken und zum Schlendern begeistern. Die Idee ist diese Gassen zu beleuchten und auszuschmücken, auch auch Kunst an den Wänden der Bestandsgebäuden oder an vorgesehenen Wänden der Neubauten ist vorgesehen.
Das Bestandsgebäude zwischen der IHK und der Brückenstraße 10-12 soll mit einer Hülle verkleidet werden und der Bereich des Gebäudes der die Flucht der Neubebauung aufgreift soll abgetrennt werden und zum Vertikalen grünen Park umfunktioniert werden in dem Urban Gardening stattfinden kann, in den oberen Geschossen des Bestandes soll die Verwaltung der Halle Platz finden.
Die Brückenstraße selbst wird im EG noch etwas zurückgebaut und die Erdgeschossnutzungen sollen sich auf die Mobilität der Stadt ohne Auto beziehen. Die hinteren Nutzungen sind offen gelassen, hier könnten die Kneipenkultur etwas gestärkt werden damit ein Kontext zur Altstadt entsteht denn dieser fehlt es an einer solchen.
Ansonsten bekommt dieses Gebäude zwei Durchbrüche, einmal als Hauptverbindung zwischen dem neuen Stadtpark bei der Stadthalle und dem neu entstehenden Sport- und Kulturzentrum und einmal am Ende wo sich der Park etwas in das Entwurfsgebiet zieht.


