Projekt Beschreibung
CHEMNITZ – PEDESTRIAN UND CYCLIST CITY C – The Unseen
Das Zentrum von Chemnitz wird im Rahmen eines umfassenden städtebaulichen Entwurfs neu gedacht. Während sich das Stadtzentrum bislang weitgehend auf die historische Altstadt beschränkte, weitet das neue Konzept die Perspektive aus und bindet bisher randständige Orte wie den Hauptbahnhof, den Theaterplatz, die Stadthalle und den Platz der neuen Arena in ein erweitertes, zusammenhängendes Zentrum ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung eines urbanen Stadtraums, der nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch, ökologisch und sozial erweiterten Ansprüchen gerecht wird.
Zentrales Rückgrat dieses neuen Zentrums bildet der neu gestaltete Boulevard der Nationen, der eine direkte, klare Wegebeziehung zwischen dem Hauptbahnhof und der Innenstadt schafft, indem man die zentralen Orte – den Omnibusbahnhof, den Schillerplatz, den Theaterplatz, die Kunstsammlung, das Hotel Chemnitzer Hof, den Karl-Marx-Kopf, den Stadthallenpark und den Rathausplatz – miteinander verbindet.
Was bisher als einzelne städtische Inseln existierte, wird durch diesen Boulevard zu einem echten Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität zusammengefügt. Möglich wird das durch eine umfassende Neuordnung der innerstädtischen Verkehrsstruktur: Der Durchgangsverkehr wird auf den Cityring verlagert, wodurch die Innenstadt deutlich entlastet wird. Die bereits verkehrsberuhigte Straße der Nationen wird vollständig für den motorisierten Individualverkehr gesperrt, die Brückenstraße verliert ihre Funktion als Hauptv erkehrsachse und wird zurückgebaut. Dieser Bereich sowie das komplette Areal um die Arena sind zukünftig autofrei gestaltet. So entsteht ein urbaner Raum, der den Bahnhof als „Tor zur Welt“ mit dem Herzen der Stadt verbindet und dabei vielfältige neue Nutzungen ermöglicht.
Das Verkehrskonzept basiert auf einer multimodalen, zukunftsfähigen Mobilitätsstrategie. Der Fernbusverkehr wird über den Cityring geleitet, der den Omnibusbahnhof effizient mit Autobahnen sowie regionalen und internationalen Verbindungen – etwa nach Dresden, Prag und Leipzig – verknüpft. Der Tramverkehr wird um eine Linie nach Limbach-Oberfrohna ergänzt, die durch den ehemaligen Verlauf der Brückenstraße und den erweiterten Stadthallenpark führt. Die bestehende zentrale Straßenbahnlinie verbindet den Hauptbahnhof mit dem Rathaus künftig direkt über den Boulevard der Nationen. Gleichzeitig wird der innerstädtische Stadtbusverkehr ausgelagert: Künftig fährt er in einem eigenen Ring entlang des Cityrings, des Hauptbahnhofs und des Omnibusbahnhofs. So entsteht ein weitgehend autofreies Zentrum mit einer hohen Aufenthalts- und Lebensqualität.
Ein barrierefreies Radwegenetz unterstützt die nachhaltige Mobilität. Herzstück ist eine neue Nord-Süd-Achse für den Radverkehr über den autofreien Boulevard der Nationen, ergänzt durch eine Ost-West-Verbindung von Schlosschemnitz über den Schlossteich ins Zentrum und weiter ins Lutherviertel. Eine neue Brücke über die Bahngleise am Hauptbahnhof verknüpft das Zentrum mit dem Stadtteil Sonnenberg und schafft eine durchgängige Verbindung für Fußgänger und Radfahrende. Besonders hervorzuheben ist ein kreuzungsfreier Radweg entlang der Chemnitz, der mehrere Stadtteile mit dem Zentrum verbindet und mit Unterführungen sowie Brücken ausgestattet ist. Fahrradverleihstationen an allen ÖPNV- Knoten ergänzen das Konzept und ermöglichen eine einfache, intermodale Mobilität.
Neben der funktionalen und verkehrlichen Neuordnung verfolgt das Projekt klare klimaökologische Ziele. Die Straße der Nationen wird zur klimaangepassten Stadtachse umgestaltet. Die Radwege erhalten einen wasserdurchlässigen Belag mit darunterliegenden Hohlkammern, die Regenwasser aufnehmen und in Trockenphasen an das Stadtgrün abgeben. Bestehende Grünstrukturen werden gezielt ergänzt, die Straßenbahntrasse wird begrünt und entsiegelt, wodurch Verdunstung, Kühlung und Regenwasserrückhalt deutlich
verbessert werden. Zwischen durchlässigem Bodenbelag und dichter Baumbepflanzung entsteht so ein spürbar angenehmeres Mikroklima – besonders an heißen Sommertagen.
Auch der Karl-Marx-Kopf als prägendes Wahrzeichen wird neu inszeniert: Durch den Rückbau des Erdgeschosses der angrenzenden Parteifalte in Teilbereichen entstehen zwei neue Wegeverbindungen, die den Stadthallenpark mit dem Vorplatz der Arena verbinden. Pavillons mit Arena-Nutzungen aktivieren die entstehenden Freiflächen und fördern eine lebendige Nutzung des Umfelds. Die Schrifttafel sowie der Zickzack bleiben als denkmalgeschützte Elemente erhalten. Eine umlaufende Wasserfläche spiegelt das Denkmal und erhöht seine Präsenz im Stadtraum. Bestehende Baumreihen werden durch neu gepflanzte ergänzt und fassen die Freifläche zu einem harmonischen Gesamtbild.
Die neue Arena selbst wird als energieeffizientes Gebäude konzipiert. Sie ist teilweise in das Erdreich eingebettet, um im Sommer die Aufheizung und im Winter den Wärmeverlust zu minimieren. Durch natürliche Lufträume zwischen Fassade und Tribünentrakt wird Frischluft ins Untergeschoss geleitet und zugleich Tageslicht eingebracht, wodurch eine helle Gestaltung auch in den tieferliegenden Ebenen möglich ist. Das offen gestaltete Erdgeschoss mit Pavillons sorgt für Durchblick, Transparenz und Austausch mit dem umgebenden Stadtraum. Ein begrüntes Dach ohne Öffnungen reduziert die Sonneneinstrahlung zusätzlich. Durch Photovoltaikmodule auf dem Dach wird zudem ein Großteil des Energiebedarfs der Arena autark gedeckt.
Mit dem Boulevard der Nationen als neuer Lebensader entsteht in Chemnitz ein klares, kohärentes Zentrum, das nicht nur städtebaulich und architektonisch, sondern auch funktional und ökologisch neue Maßstäbe setzt.
Mit diesem Konzept entwickelt sich Chemnitz zu einem offenen, lebendigen und deutlich nachhaltigen urbanen Raum der Zukunft, in dem der Mensch, die Stadt und die Umwelt harmonisch miteinander in Einklang gebracht werden.


